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Auswandern nach Schweden


Auf nach Schweden:
Wer sich jetzt fragt wie so etwas funktionieren kann, der wird nachfolgend vielleicht ein paar Antworten finden. Wir haben hier Allerlei Informationen zusammengetragen, es gibt doch einiges zu erledigen.
Man sollte den Aufwand nicht unterschätzen!

Du-Reform:
In der schwedischen Du-Reform von 1968 wurde das förmliche siezen abgeschafft, ebenso das Anwenden von Titeln. Ein Arzt wird in Schweden ganz einfach mit seinem Vornamen angesprochen und selbstverständlich gedutzt, das gilt für alle Bereiche in Schweden.
Deswegen ist man aber weder Freund noch Kumpel, wie oft irrtümlicherweise angenommen.

Aufenthaltsrecht bzw. Aufenthaltserlaubnis:
Staatsangehörige von EU-Mitgliedstaaten, die sich länger als drei Monate in Schweden aufhalten wollen (beispielsweise aufgrund einer Arbeit oder von Studien), brauchen ihr Aufenthaltsrecht seit dem 1. Mai 2014 nicht länger beim schwedischen Migrationsamt (Migrationsverket) anzumelden. EU-Bürger haben das Recht, ohne Aufenthaltsgenehmigung in Schweden zu arbeiten, zu studieren und zu leben.

Fester Wohnsitz in Schweden:
Falls nicht schon ein Haus oder eine Unterkunft vorhanden ist an welcher Du dich anmelden kannst, solltest Du dies am besten noch vor dem Umzug erledigen. Generell musst Du dich spätestens nach 3 Monaten beim Skatteverket anmelden. Die Anmeldung muss persönlich und bei dem für den Wohnsitz zuständigen Meldeamt erfolgen.

Anmeldung beim Skatteverket:
Für eine erfolgreiche Anmeldung beim Skatteverket müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein:
- Gültiger Personalausweis, es ist auch eine gute Idee, Dir in D vorher noch einen Reisepass zu besorgen.
- Stammbuch, Heiratsurkunde, Geburtsurkunden der Kinder
- Vollumfängliche Krankenversicherung ## Stand 10.2016: Es werden kaum noch private Krankenversicherungen aktzeptiert. Du bentigst eine volldeckende gesetzliche KV aus deinem Herkunftsland (nachzuweisen mit z.B. dem Formular E106).
- Fester Wohnsitz in Schweden
- Ausserdem musst Du einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben, oder Du studierst offiziell in Schweden,
oder Du kannst nachweisen, dass Du genügend eigene Mittel (in der Regel 150.000 Kronen/Person) zur Verfügung hast um Dich für mindestens ein Jahr selbst zu versorgen, ohne dem schwedischen Staat zur Last zu fallen.

Jetzt fragst Du dich vielleicht: Wozu sollte Ich mich anmelden, wenn es mit Geld auch ohne geht!?
Tja, vor Deinen erfolgreichen Aufenthalt in S hat der schwedische Staat das erwirken einer Personennummer gestellt. Ohne Personennummer ist es in S schwierig, um nicht zu sagen fast unmöglich, wie ein normaler Mensch zu leben. Die Personennummer wird im schwedischen Alltag fast überall gebraucht, vom Arbeitgeber, der Bank, beim bestellen eines Telefonanschlusses, Kauf eines Autos oder Anhängers und beim Kauf von ganz alltäglichen Gebrauchsgegenständen, um nur einige Punkte zu nennen. Die Personennummer erhältst Du, wenn Du dich erfolgreich beim Skatteverket angemeldet hast, also obige Bedingungen erfüllt hast.

Soziale Absicherung:
Sobald Du es geschafft hast dich beim Skatteverket anzumelden (Du also 'folkbokförd' bist), wirst Du automatisch bei der Försäkringskassan angemeldet, sprich in das soziale System integriert. Du bist dann in der Lage, das schwedische Gesundheitssystem zu nutzen.
Das schwedische Gesundheitssystem ist ein staatliches System welches aus Steuern finanziert wird. Alle in Schweden registrieren Bürger haben das Recht dieses Gesundheitssytem zu nutzen, unabhängig davon ob jemand arbeitet, arbeitslos oder Hausfrau ist. Wenn Du arbeitest, werden ca. 11% von Deinem Gehalt für das Gesundheitssystem einbehalten.

Arbeit finden:
Nun zum Thema Arbeit in Schweden finden. Zu aller erst möchte ich einfach mal das wiederholen, was auf 1000 anderen Websites auch zu lesen ist: Schwedisch lernen, und ganz wichtig: Schwedisch lernen!

Wenn Du zu Anfang noch etwas unsicher mit deinem Schwedisch bist, solltest Du wenigstens mit Smalltalk-fähigen Englisch gewappnet sein. Mag sein dass es mit 'Händen und Füssen' auch geht, das ist aber auf Dauer für alle Parteien ziemlich anstrengend. Der freundlichste aller Kollegen oder Nachbarn wird es unter diesen Umständen bei einer oberflächlichen Beziehung belassen. Du solltest jede (passende) Gelegenheit nutzen, um mit Deinen Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Eine Tasse Kaffe mit einer Kanelbulle (vill du komma över p en fika!), eine Grillparty mit Smörgastorta, ein schwätzchen am Zaun, Nachbarschaftshilfe, das sind die Zutaten für eine gute Nachbarschaft und, das sind die Zutaten um an dringend benötigte Informationen und Kontakte jedweder Art zu kommen!

In Schweden funktioniert so gut wie nichts ohne Kontakte. Arbeit findet sich in Schweden meistens über Kontakte, es wird wenig inseriert und die in Deutschland gängige Methode eine möglichst perfekte Bewerbungsmappe vorzulegen, funktioniert in Schweden nicht wirklich. Du solltest einen schwedischen Lebenslauf (Meritförteckning) bereit halten, Arbeitszeugnisse sollten ins schwedische übersetzt sein (am besten von einem Nativ-Speaker, um die Feinheiten auch zu übertragen), noch besser aber ist es, bei deinem alten Arbeitgeber einen Leumund zu haben, welcher natürlich fliessend englisch oder schwedisch sprechen sollte und angerufen werden kann. Es ist normal, dass während des Vorstellungsgesprächs der angegebene Leumund einfach mal kurz angerufen wird.

Dabei kommt es weniger auf die 'technischen Fähigkeiten' des Bewerbers an, es wird in der Regel viel mehr Wert auf Persönlichkeit, Teamfähigkeit etc. gesetzt, also ob Du als Mitarbeiter menschlich in die Firma passt (Stichwort: Lagom/Jantelagen). Auch ist es im Gegensatz zu Deutschland gerne gesehen, wenn Du schon ein paar Arbeitstellen durch hast. Dies zeugt von Erfahrung, sozialer Kompetenz und von Flexibilität (in Deutschland wird einem so etwas gerne als mangelndes Durchhaltevermögen und soziale Inkompetenz ausgelegt). Du solltest also bei einem schwedischen Bewerbungsgespräch darauf gefasst sein, dass es mehr um persöhnliche Dinge wie Kinder, Fussball, Hobbys etc., und ganz nebenbei um die Berufliche Qualifikation geht, welche natürlich trotzdem Stichfest sein sollte.

Benimm im Ausland:
Um die zahlreichen Fettnäpfchen zu umschiffen kann ich zwei Bücher empfehlen, zum einen den 'Fettnäpfchenführer' und als zweites das Buch 'Alltag in Schweden'. Du tust gut daran, dich vor dem ersten Kontakt schon mal mit den lokalen Gepflogenheiten auseinander zu setzen. Dein Ruf ist leider schneller ruiniert als Du denkt, viele typisch deutsche Angewohnheiten stossen den Schweden ziemlich sauer auf. Generell kann ich sagen, ein bescheidenes, leises und zurückhaltendes Auftreten ist die halbe Miete.
Viele Deutsche denken, dass die Schweden uns sehr ähnlich sind. Was Wertvorstellungen und moralische Standpunkte angeht, trifft das meistens auch zu. Allerdings ist das meist laute auftreten der Deutschen ein no-go, das sollte man sich in Schweden abgewhnen.



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